In ihren Kriminalromanen erweckt Gea Nicolaisen die finstere Seite der Schlei

Blick auf den Wikingturm, Schleswig

Genau betrachtet ist der Wikingturm in Schleswig eine kleine Insel und steht mit seinen 90 Metern Höhe,  27 Stockwerken und 254 Apartments in der Schlei. Hier bin ich mit der Schleswiger Krimiautorin Gea Nicolaisen verabredet. Die  Wahl fiel nicht zufällig auf diese Location, denn der Turm spielt in ihrem Kriminalroman „Zündstoff“ eine wichtige Rolle. Außerdem hat man vom Panoramacafé  im 26. Stock, einen famosen Ausblick über Stadt und Ostseefjord – jene Gegend, in der die Handlungen ihrer Geschichten spielen.

Panoramablick auf die Schlei in Schleswig mit Stadthafen und Petridom

Bis nach Brodersby kann man schauen, dahinter liegen Arnis, Kappeln und Schleimünde. Durch die Fensterfront ist ein 360° Rundumblick möglich: Schloss Gottorf, Schleipromenade, Stadthafen, Möweninsel, das Wikingerdorf „Haitahbu“ und der Stadtteil Friedrichsberg mit seinen vielen bunten Fassaden – ich bin begeistert.
Hier in der Umgebung lebt Gea Nicolaisen und es verwundert mich keineswegs, dass sie sich von dieser nordischen Idylle zu einigen ihrer Krimis inspirieren ließ. Für die Lesezeit eines Buches lässt sie den „Thrill“ in die hiesige Betulichkeit krachen und die lichte Klarheit im Nebulösen versinken. Zwischen Schleswig und Schleimünde explodieren Sprengsätze, werden Autos zu Mordwaffen und der  Suizid einer jungen Frau führt den Leser in ein Dickicht düsterer Verstrickungen.

Insgesamt fünf Kriminalromane hat sie geschrieben und vier der fesselnden Plots spielen in der Schleiregion: „Zündstoff“, „Mord am Schleiufer“ als dessen Fortsetzung, sowie „Tödliche Schlei“ . Den Roman „Flensburger Intermezzo“ könnte man so gesehen als „regionalen“ Ausreißer bezeichen, obwohl die Stadt Flensburg gerade mal 35 Kilometer entfernt ist. Gleichwohl möchte sich Gea Nicolaisen nicht auf das „Regio“-Genre festlegen.

„Ich lebe hier und natürlich schöpfe ich die Ideen aus meinem direkten Umfeld, der Landschaft und der Stadt in der ich wohne, aber die Krimis könnten ebenso gut woanders spielen.“

Wie zum Beispiel der Krimi „Bittere Saat“, der in der Schweiz angesiedelt ist. Dennoch kehrt sie beim Plot stets in maritime Gefilde zurück.
Vielleicht weil sie am Wasser großgeworden ist?
Die gebürtige Bremerhavenerin ist auf der Insel Sylt aufgewachsen – das Meer prägt und hat als Schauplatz für Kriminalgeschichten wohl auch seinen besonderen Reiz.
In ihren Romanen sind es stets die weiblichen Hauptfiguren, deren Leben durch das Verbrechen erschüttert wird und die, statt in Schockstarre zu verharren und auf polizeilichen Ermittlungserfolg zu hoffen, aktiv bei der Lösung des Falles mithelfen. Es ist ein wachsames Vorantasten in Lebensgefahr und im Zweifel darüber, wer im bisher sicheren Lebensumfeld Freund und wer Feind ist.

Bis zur endgültigen Auflösung der Fälle wird den Hauptfiguren reichlich Umsicht, Mut und Tatkraft abverlangt. In diesen düsteren Dreiklang von Unsicherheit, Angst und Verzweiflung setzt Gea Nicolaisen einen lichten Kontrapunkt, garniert den Thriller mit einer ordentlichen Portion zarter Romantik und lässt ihre Protagonistinnen bei der Spurensuche nicht lange allein und so gesellt sich dann jedes Mal ein engagierter Helfer dazu. Es sind starke Charaktere, die da aufeinandertreffen und so bleiben auch Spannungen nicht aus. Umso prickelnder wird es jedoch, wenn derlei zwischenmenschliche Zuspitzungen Momenten sinnlichen Knisterns weichen dürfen – und das alles eingebettet in die wundervolle Landschaft links und rechts der Schlei.

Bootshafen bei Haddeby

Klingt für mich nach kriminalliterarischem „Kuschelrock“ …

„In der Tat, man nennt es `Cosy-Crime´  und  ich stehe dazu, obwohl ich mich nicht vom Genre her motivieren lasse. Mir geht es schlichtweg darum, schöne und unbelastende Lesestunden zu schenken“

Ihr neuester Kriminalroman erscheint im April.
„Das Geheimnis der Weißdornblüten“ verbindet einmal mehr das mysteriöse Geschehen mit einem gehörigen Schuss Romantik und entführt ihre Leserschaft diesmal in die Gemeinde Brodersby an der Schlei.
Für  junge Spürnasen übrigens hat Gea Nicolaisen, selber Mutter nunmehr erwachsener Kinder, spannende Detektivgeschichten  geschrieben. „Die Schleifüchse“, lassen sich keinen Gangster für einen Geist vormachen und geraten beim Aufdecken krummer Machenschaften irgendwo zwischen den Schleidörfern und der Wikingersiedlung in äußerst brenzlige Situationen, die sie mit Gewitztheit und Teamgeist zu meistern wissen.

Die beinahe detailgetreuen Umgebungsbeschreibungen in ihren Büchern machen die kurzweilige Lektüre ganz beiläufig auch zu einem spannenden Reiseführer, der einfach Lust macht, den Krimirouten nachzuspüren und die Figuren, die letztlich auch Bewohner dieser Gegend sind, auf ihren alltäglichen Wegen jenseits des Krimigeschehens zu begleiten.

Autorin, Gea Nicolaisen

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