Ist es nicht schon beinahe müßig von „Entschleunigung“ bei einem Spaziergang ums Haddeby-Noor zu schreiben, wenn doch die Zeit an der Schlei ohnehin schon so angenehm „sutje“ vergeht? Nicht umsonst rühmt man hier die „Langsamzeit“. Und doch gibt es inmitten dieser naturgeschaffenen Wellnessoase  so einige Ruhepunkte mehr  – zum Beispiel an den Binnenseen, den Nooren …  wie etwa am Haddebyer Noor bei Schleswig.

Zeit ist relativ und wer in ein interessantes Gespräch, ein spannendes Buch oder erfüllendes Tun versunken ist, der kennt ihn, diesen ungläubigen Blick auf die Uhr beim Wiedereintritt in die alltägliche Wirklichkeit. Ähnlich erging es mir Ende April letzten Jahres, als ich zu einer kleinen Tour in Richtung Haddeby bei Schleswig startete, noch nicht genau wissend, wohin ich eigentlich wollte.

Der atemberaubende Anblick der Obstbäume im Kirchgarten von St. Andreas, deren Baumkronen eine Blütenpracht zartweißer und roséfarbener Töne schmückte, war es schließlich, der mich in das Wäldchen links oberhalb des Haddebyer Noors lockte, mich im Weiteren rund um den See und damit in eine gefühlte Zeitlosigkeit entführte.   

Direkt hinter dem Parkplatz an der B 76 führt ein befestigter Pfad am Binnensee entlang und gewährt fantastische Panoramablicke in Richtung Schleswig aus einer Perspektive, die ich so noch nicht kannte.
Das oberste Drittel des Wikingturms überragt vorwitzig die Baumwipfel, die bunten Häuser entlang der Schleistraße leuchten durch den Uferbewuchs hindurch  und den Petri-Dom untermalt eine beigefarbene Borte aus wildem Hafer.

Schon die Ruhe hier ist Balsam für lärmgeplagte (Groß)städterohren, denn von der Straße aus dringen zur Mittagszeit nur spärlich Motorengeräusche und verlieren sich mit jedem Schritt in Richtung Buchenwald, der oberhalb des Noors verläuft. Die Natur hat nun vollends übernommen. In das rhythmische Wogen der Noorwellen mischt sich Vogelgezwitscher und das leise Rauschen des Windes in den Bäumen … und von irgendwoher … ganz leise … höre ich sogar die Rufe eines Kuckucks.
Yeah, it´s Springtime!

Der schmale Weg schlängelt sich vor mir her und offenbart hinter jeder Biegung einen anderen zauberhaften Blick auf das Noor, sowie das helle Grün der Knospen und Blätter an den Zweigen, die einem Baldachin gleich, einander zustreben.
Am Ende des hübschen Zauberwalds fließt eine sattgrüne Weide in sanften Schwüngen den Hügel hinab, flankiert von Weißdorn und getopt von einer schmalen gelben Kante: der Raps steht in den Startlöchern und weckt eine leise Ahnung von Sommer.

Der Pfad durch diese erwachende Naturoase führt über eine Treppe mit eingelassenen Holzstufen hinab ans Wasser und zwischen zwei Nooren hindurch: dem Selker und dem Haddebyer Noor.  Vor der kleinen Holzbrücke, unter welcher die beiden Noore ineinanderfließen, schmiegt sich eine hübsche Badebucht mit feinem Sandstrand in weichen Rundungen an die Wasserkante. Der Sand fühlt sich warm an, die Sonne hat schon ziemlich an Kraft gewonnen. Hier lasse ich mich nieder, jegliche Wahrnehmung von Zeit verlierend, währendessen meine Fantasie aus den Wolken am sattblauen Himmel Figuren und Gesichter bastelt …

Erst die sportlichen Schritte eines Läufers, der eine Runde ums Haddebyer Noor dreht, entlassen mich wieder in die Wirklichkeit. Der Rundweg mit einem Umfang von knapp fünf Kilometern und moderaten Steigungen gibt also auch noch eine recht passable Laufstrecke ab, die ich einen Tag später glatt ausprobiere und für gut befinde.

Hinter der Holzbrücke führt der Weg schließlich in Richtung Wikingersiedlung Haithabu weiter und vom angrenzenden Nordwall genieße ich zum Abschluss noch einmal die zauberhafte Sicht auf den See von der anderen Seite aus.

Fazit: Ein echter Geheimtipp für zwischendurch – gemächlich spaziert oder sportlich gelaufen – einmal rund um´s Haddebyer Noor bei Schleswig!

Zur Fotostrecke …

Frühlingsauftakt am Haddebyer Noor

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