Arnis zeigt zu jeder Jahreszeit ein bezauberndes Gesicht. Bislang kannte ich die kleinste Stadt Deutschlands allerdings nur von ihrer sommerlichen Seite und beschloss deshalb, dem Städtchen einen Winterbesuch abzustatten. Der Zauber des pittoresken Ortes ist dann natürlich ein ganz anderer. Und wer hier jedoch Weihnachtsmarktgetümmel, wie in vielen Städten sucht, der kommt vergeblich. Das Weihnachtsgewand der bezaubernden kleinen Stadt an der Schlei ist ein eher dezentes und geht etwas mehr in Richtung „Weihnachtszauber für Überreizte“.

Arnisser Advent

Doch einmal im Jahr ist so etwas, wie Weihnachtsmarkt – der Arnisser Advent.  Am ersten Wochenende Anfang Dezember zeigen die Bewohner von Arnis Kunsthandwerkliches aus Glas, Ton, Holz und Textil und es gibt Glühwein, Waffel und Bratwurst inmitten der historischen Häuserfassaden entlang der Langen Straße. Ich habe es verpasst und besuche stattdessen kurz vor Weihnachten das malerische Städtchen, das auf einer Halbinsel in der Schlei liegt.

Wohltuend minimalistisch

Weihnachtlich sieht es hier auf den ersten Blick zunächst nicht aus. Abgesehen vom Tannenbaum vor dem Rathaus, sowie einigen Dekorationen hinter den Fenstern und an den Haustüren, ist die Stadt nicht auffallend herausgeputzt. Aber genau das mag ich!  Und während ich so an diesem trüben Samstagnachmittag durch die Lange Straße von Arnis schlendere, die von winterlich kahlen Kopfweiden gesäumt wird, kommt mir glatt das Gedicht von Joseph von Eichendorff in den Sinn – „Markt und Straßen stehn´ verlassen“ …

Nichts Blinkendes oder nervös flackerndes hinter den Fenstern, dafür auf den Fensterbänken einiges an Kerzen, Sternen und Vasen mit geschmückten Zweigen, die sich gut mit den Segelschiffen aus Holz vertragen, die dort auch schon im Sommer standen. Und jede Menge liebevolle Dekorationen neben den Hauseingängen, deren historische, buntlackierte Türen ganzjährig hübsch anzusehen sind.

Und ich wandre aus den Mauern …

Am Strand, der am Ende der Stadt liegt, ist es besonders ruhig und nichts erinnert hier die Betriebsamkeit des Sommers. Die Fähre, die nach Sundacker in Schwansen übersetzt, hat im Winter geschlossen. Im Fischereihafen und bei den Werften ist es am Wochenende sowieso ruhig. Eine Stille wie Watte. Den Sound haben vollends die Möwen übernommen, begleitet vom sanften Plätschern der Schleiwellen.

Essen und Trinken

Auch das gastronomische Angebot wird in den Wintermonaten zurückgefahren. Wer essen gehen möchte sollte sich besser vorab informieren, ob die gewünschte Lokalität geöffnet ist. Die Strandhalle, bleibt leider dauerhaft geschlossen und das Restaurant „Godewind“ sucht neue Pächter.

Das Wesentliche im Blick

Die Vorweihnacht zeigt sich hier angenehm verhalten. Wenige Geschäfte haben auf. Eine Boutique, eine Apotheke, ein Spirituosengeschäft, eine Bäckerei. Die Kunsthandwerker haben ihre Ateliers in den Hinterhäusern. Das Private wird geschützt, der winterliche Rückzug zur Kultur erhoben. Das entbindet auch den Besucher kurzzeitig vom Druck, unbedingt jetzt und hier nach Geschenken suchen zu müssen. Einzig nach einer Tasse Heißem im Café, am Anfang der Langen Straße ist mir jetzt.  Und während ich dort sitzend aus dem Fenster schaue, fällt mein Blick auf den Tannenbaum vor dem Rathaus gegenüber, der ganz klassisch mit roten Kugeln geschmückt ist.

Arnis im Advent

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